Ratgeber – So schützen Sie Ihre Füße

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Ratgeber – So schützen Sie Ihre Füße

Bei einem langjährigen Diabetes mit dauerhaft zu hohen Blutzuckerwerten kann es dazu kommen, dass die Empfindungen insbesondere im Bereich der unteren Gliedmaßen gestört sind. Dadurch werden Druckstellen oder Verletzungen nicht mehr richtig wahrgenommen. Dies kann chronische Wunden zur Folge haben. Daher ist es wichtig, auf das Wohlergehen Ihrer Füße zu achten. Dazu gehören z.B. die regelmäßige Selbstkontrolle, Besuche bei podologischem Fachpersonal und gutsitzendes Schuhwerk.

Wie Sie Ihre Füße selbst schützen können, erfahren Sie hier.

Fußkontrolle

Ein diabetisches Fußsyndrom (DFS) so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln, ist der beste Schutz vor einer Amputation. Wem aufgrund einer Schädigung der Nerven schützende Warnsymptome wie Druck-, Temperatur- oder Schmerzempfinden verloren gegangenen sind, sollte deshalb täglich seine Füße selbst kontrollieren. Am besten als Alltagsroutine zu festen Zeiten und mithilfe eines Spiegels. Dabei gilt es, auf folgende Warnzeichen zu achten:

Wer diese Beobachtungen macht oder sich unsicher ist, sollte zeitnah seine behandelnde Ärztin bzw. seinen behandelnden Arzt aufsuchen.

Grenzen der Selbstkontrolle

Diese Überprüfung ist jedoch vor allem für ältere Patientinnen und Patienten nicht leicht umzusetzen. Vielleicht können sie die Beine nicht mehr ausreichend anwinkeln oder sehen nicht mehr gut genug. Auch andere körperliche oder psychische Einschränkungen können eine wirksame Selbstkontrolle verhindern.

In diesem Fall kann man Angehörige bitten, diese regelmäßigen Fußkontrollen zu übernehmen.

Risiko-Check bei Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt

Alle Menschen mit Diabetes sollten mindestens einmal im Jahr ihre Füße ärztlich überprüfen lassen.
Im Rahmen der Vorsorgeprogramme (DMP Diabetes Typ-1 oder Typ-2) besteht für sie Anspruch auf regelmäßige professionelle Fußuntersuchungen: einmal jährlich gilt für alle. Wer bereits an einem diabetischen Fußsyndrom erkrankt ist und damit ein sehr hohes Risiko für erneute Läsionen oder Probleme hat, mindestens vierteljährlich. 

Bei diesen Fremdkontrollen werden die Durchblutung, die Funktion der Nerven im Hinblick auf das Vorhandensein schützender Wahrnehmungen (Druck-, Temperatur- und Vibrationsempfinden) und auch die Schuhversorgung überprüft. Auch untersucht der Podologe oder die Podologin die Füße auf weitere Risiken hin, zum Beispiel Schwielen, Druckstellen und den Pflegezustand von Haut und Nägeln.
Bei Auffälligkeiten leiten die Fußexperten bzw. Fußexpertinnen entsprechende Maßnahmen ein. Diese helfen trotz des erhöhten Risikos, erstmaligen oder wiederholten Fußläsionen und einem aktiven DFS vorzubeugen.

Fuß- und Nagelpflege

Menschen mit Diabetes neigen zu trockener, rissiger Haut, Fuß- und Nagelpilzen. Grund dafür ist ein durch Nerven- und/oder Durchblutungsstörungen veränderter Stoffwechsel der Haut. Der pH-Wert ist erhöht, was ihre wichtige Barrierefunktion beeinträchtigt. Dadurch ist die Haut anfälliger für Infektionen. Bakterien und Pilze können sich besser ausbreiten.

Auch die Schweiß- und Talgdrüsen arbeiten nicht wie bei gesunden Menschen. Viele Betroffene leiden unter chronischem Juckreiz. Deshalb brauchen sie eine regelmäßige Pflege, um dennoch einen guten Hautschutz herzustellen und aufrechtzuerhalten.

Kurze Bäder

Zum regelmäßigen Ritual sollte ein Fußbad mit handwarmem Wasser (30-35 Grad Celsius) und pH-Wert neutralen, rückfettenden Seifen gehören. Achtung: die Wassertemperatur stets mit der Hand oder einem Thermometer kontrollieren. Das Bad darf aber nie länger als 3-5 Minuten dauern. Sonst quillt die Haut zu stark auf und Krankheitserreger haben leichtes Spiel. Anschließend die Füße mit einem weichen Handtuch gut abtrocknen, vor allem auch zwischen den Zehen.
Bei akuten Verletzungen muss das Bad leider ganz entfallen.

Wenn die Haut danach etwas weicher ist, die Hornhaut mit einem Bimsstein abrubbeln. Keine Raspeln oder Hobel dafür verwenden! Kann man dies nicht selbst oder durch Angehörige machen lassen und haben sich bereits dickere Schwielen gebildet, müssen eine Podologin oder ein Podologe diese regelmäßig professionell abtragen. In diesen Fällen wird dafür eine entsprechende Heilmittelverordnung ausgestellt.

Feile statt Schere

Damit Fußnägel nicht zu lang werden und die Nachbarzehen verletzen, sollte man sie einmal pro Woche kürzen. Doch auch wenn es noch so praktisch und schnell erscheint, sollten Menschen mit Risikofüßen dafür weder Schere noch Nagelknipser verwenden. Die Verletzungsgefahr ist viel zu groß! Sicherer sind Feilen, zum Beispiel aus Sandpapier. Wichtig: Nägel gerade feilen, nicht rund und in die Ecken, sonst droht ein Einwachsen der Nägel mit Entzündungen.

Wer keine Geduld und Ausdauer mehr dafür hat, kann auch hier ein Familienmitglied bitten oder zur professionellen Fußpflege gehen. Achtung: Auch das Entfernen der Nagelhaut ist ein Fall für die Fachfrau oder den Fachmann.

Feuchtigkeit statt Fett

Für die Hautpflege bei Diabetes eignen sich spezielle Emulsionen und Schäume. Sie haben einen hohen Anteil an Urea, also Harnstoff, der Feuchtigkeit spendet und in der Haut bindet. Diese Produkte sind in der Regel frei von Duft- und Konservierungsstoffen.
Wichtig: keine Creme-Nester zwischen den Zehen hinterlassen! Das feuchte Klima könnte sonst das Aufweichen der Haut und Infektionen begünstigen.

Sehr fettige Salben oder Cremes, aber auch austrocknende Pasten oder Puder mit Zink sind für die Fußpflege nicht geeignet.

Schuhe und Strümpfe

So schön es ist oder wäre: Barfußlaufen ist für Menschen mit Diabetes tabu. Und zwar, sobald in den regelmäßigen Fuß-Checks auffällt, dass die üblichen Schutzmechanismen nicht mehr funktionieren oder bereits ein diabetisches Fußsyndrom besteht.
Das Risiko, sich unbemerkt zu verletzen, ist einfach zu groß. Doch auch bei den Schuhen muss man aufpassen. Sie sollten keinesfalls zu eng oder zu klein sein. Dabei ist stets zu bedenken: Aufgrund eines reduzierten oder ausgefallenen Druckempfindens können Betroffene selbst dies nicht mehr verlässlich einschätzen.

Druckstellen vermeiden

Um Druckstellen und in deren Folge Läsionen wirksam vorzubeugen, müssen geeignete Schuhe getragen werden. Je nach Fußmaßen, etwaigen Fehlstellungen oder Schädigungen sind vom Gesetzgeber bestimmte Schuh- und/oder Einlagenversorgungen vorgesehen.

Für Menschen mit Hochrisikofüßen gibt es spezielle konfektionierte „Diabetes-Schutz-Schuhe“. Sie sind besonders bequem und reibungsarm und verfügen über ausreichend Platz für spezielle Fußbettungen.
In bestimmten Fällen sind auch individuell vom orthopädischen Schuhmacher hergestellte „Maßschuhe“ erforderlich, um Druckstellen vorzubeugen oder erneute Instabilitäten des Fußes zu vermeiden.
Dafür kann der behandelnde Arzt bzw. die behandelnde Ärztin eine Verordnung ausstellen. Maßgeblich dafür sind die sogenannten Risikoklassen aus der Hilfsmittelverordnung. Der Arzt oder di Ärztin kontrolliert am Ende auch das Ergebnis der Versorgung.

Wichtig: Schuhe und evtl. vorhandene Einlagen regelmäßig auslüften. Vor dem Anziehen auch sicherstellen, dass nicht etwa unbemerkt ein Steinchen oder anderer Fremdkörper in den Schuh gelangt ist. Dafür den Schuh umdrehen und einmal kurz mit der Hand durchfahren.
Regelmäßige Gymnastik (z.B. Zehengreifen oder Zehenstand) stärkt die Muskulatur und kurbelt die Durchblutung an. Eine Anleitung zu empfohlenen Übungen gibt es in der Broschüre „Fußübungen für Menschen mit Diabetes“,die auf Initiative der AG Sport und Bewegung erstellt wurde, mit Unterstützung durch die AG Diabetischer Fuß (beide DDG) und das Fussnetz Köln.

 

Strümpfe ohne Gummi

Bei Schwellungen oder stärkeren Fesseln, wie sie Menschen mit Diabetes häufig haben, ist auch die Wahl der Socken von Bedeutung. Zu enge Bündchen etwa können den Blutfluss in die Füße zusätzlich behindern. Nähte und gestopfte Löcher können Druckstellen verursachen. Natürliche, atmungsaktive Materialien wie Baumwolle sind von Vorteil. Die Socken unbedingt täglich wechseln und heiß waschen. Im Falle von (Pilz-)Infektionen am besten kochfeste Strümpfe verwenden.

Extra-Tipp: Helle Modelle verwenden, damit man mögliche Spuren von Wunden sofort entdecken kann.

Tipps und Checklisten

Ernst nehmen und ärztlich überprüfen lassen

Verletzungen vermeiden

Fuß- und Nagelpflege

Verbände und Organsisationen (u.a.)